Im schönen Südtirol findet die Schachweltmeisterschaft statt. Der amerikanische Titelverteidiger Frederick Trumper wird vom Russen Anatoly Sergievsky herausgefordert – zu Zeiten des Kalten Krieges eine hochpolitische Angelegenheit, bei der nicht zuletzt auch KGB und CIA mitspielen. Eine besondere Rolle nimmt hierbei die schöne Ungarin Florence Vassy, eigentlich Trumpers Managerin, ein, die sich im Laufe des Turniers in dessen Kontrahenten verliebt.
Viel steht auf dem Spiel und so wird von beiden Seiten versucht, Einfluss auf das große Duell zu nehmen: Pressekonferenzen, geheime Treffen und verbotene Absprachen sollen schon vor dem Turnier dessen Ergebnis bestimmen.
Autor Tim Rice (»Der König der Löwen«, »Evita«) lässt in CHESS Beziehungen und Politik immer mehr zum Schachspiel werden. Wer wagt den richtigen Zug? Wem gelingt es, den Gegner matt zu setzen?
Die Musik dazu schrieben Benny Andersson und Björn Ulvaeus (ABBA) und die Songs »One Night in Bangkok«, »Nobody’s Side« und »I Know Him So Well« wurden schon Hits, bevor das Musical auf die Bühne kam.
Foto: Annika Honold
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Schauspielerisch und musikalisch erreichen die Goetheschüler höchstes Niveau [...]. Es gelang den ambitionierten Darstellern, die verquaste Handlung Rices ein wenig glaubwürdiger zu machen. Die Musik tröstete sowieso über Handlungsbrüche und den ungereimten Verlauf des Dramas hinweg. [...]
Mit seinem gut eingespielten Orchester bot Andreas Gerhard eine musikalische Leistung, die nichts zu wünschen übrig ließ. Das Orchester war in der Stadthalle aber unsichtbar hinter der Bühne untergebracht.
Das Publikum feierte die großartige Leistung des Ensembles mit viel Szenenapplaus und geradezu frenetischem Schlussapplaus. [...]
Die Regisseure Julian Goletzka und Mark Wiedermann-Gralla machten das Musical ganz im Sinne von Rice zu einem großen Schachspiel, bei dem es um große Liebe, große Politik und am Rande auch um Schach ging. [...]
Das Publikum erlebte – großartig dargeboten – eine banale Geschichte und der Streit zwischen den Supermächten erinnerte in vielen Punkten an die Konflikte, die heute wieder zwischen Ost und West aufzubrechen scheinen.
Die eingeklammerten Zahlen bezeichnen die Musiknummern in der Reihenfolge des Abends.
[1] Die Geschichte des Schachs wird erzählt. Der Präsident des Weltschachverbands kündigt die Schachweltmeisterschaft zwischen Trumper und Sergievsky an.
[2] Merano, Italien, Anfang der 80er. Die Bevölkerung erwartet die Delegationen der Schachweltmeisterschaft und preist die Schönheit ihrer Stadt an. Frederick Trumper und Florence Vassy kommen mit der US-Delegation an – für ihn dreht sich alles nur um ihn selbst.
Im Hotel zeigt Florence Trumper die negativen Pressemeldungen über ihn. Für ihn sind es alles Lügen der [3] Roten Presse.
Bei der [4] Pressekonferenz attackieren die Reporter Trumper wegen seiner Provokationen gegen die Russen. Er verliert die Beherrschung.
[5] Anatoly und Molokov haben im Hotel die Pressekonferenz im Fernsehen verfolgt. Molokov hält Trumper für einen Verrückten. Anatoly warnt davor, ihn zu unterschätzen. Molokov erklärt die politische Brisanz des Spiels, doch Anatoly will mit der Politik nichts zu tun haben. Er fühlt sich falsch in dieser Welt und fragt sich, wo er hingehört ([6] Wer ich sein will).
Die [7] Diplomaten beider Delegationen erklären, große Zugeständnisse gemacht zu haben, damit es zum Turnier kommt. [8] Der Schiedsrichter betritt mit seinem Gefolge den Raum und stellt klar: Es geht nur um ein faires Schachspiel, die politische Dimension hat keine Bedeutung.
Ein [9] Choral eröffnet die Weltmeisterschaft und gibt den Startschuss für [10] die Verkäufer.
Das erste [11] Schachspiel (Instrumental) endet damit, dass Trumper das Schachbrett vom Tisch wirft und wütend die Halle verlässt.
[12] Der Schiedsrichter (Reprise) ist empört. Die Russen sind verärgert über die Beleidigung durch Frederick. Florence protestiert. Molokov beschuldigt die Amerikaner des Betrugs. Sie diskutieren. Florence unterstellt, dass die Russen nur Propaganda betreiben wollten. Der Schiedsrichter erklärt das Turnier für beendet, wenn es nicht innerhalb von 24 Stunden fortgesetzt wird ([13] Ein Beispiel an Kultur, Niveau und Würde).
[14] Florence und Molokov versuchen, die Situation noch zu retten. Molokov spricht Florence auf ihre ungarische Herkunft an und meint, sie müsse solidarisch mit Osteuropa sein, doch sie erinnert an den brutalen Überfall der Sowjetunion auf Ungarn. Beide verabreden ein Treffen zwischen Florence und Anatoly auf einem ruhigen Berghof.
Trumper will mehr Geld. Er fragt, auf welcher Seite Florence stehe, und er konfrontiert sie mit dem Aufstand ([15] 1956 – Budapest erhebt sich), bei dem Florence ihren Vater verloren hat. Frederick unterstellt ihr, sie habe ihn heute verraten.
Florence erkennt, dass sie alleine steht und sich auf niemanden verlassen kann ([16] Jeder geht allein).
Florence und Anatoly auf dem Berghof in Merano ([17] Das Bergduett). Sie distanziert sich von Trumper, und beide kommen sich näher. Trumper kommt dazu und unterstellt Florence, für die Sowjets zu spionieren. Ist ihr Vater gar nicht tot, sondern beim KGB?
Trumper hat neue Konditionen mit dem Fernsehen ausgehandelt und das Spiel kann weitergehen.
[18] Schachspiel II (Instrumental). Das Turnier wird fortgesetzt. Anatoly zieht 5 : 1 davon.
Trumper beschimpft Florence und beschuldigt sie, für seinen Gegner zu sein. [19] Florence geht. In einem intimen Moment denkt Trumper an seine schwere Kindheit zurück und erklärt, wie er wurde, wer er ist ([20] Sei nie ein Kind). Trumper gibt auf. Anatoly wird zum Weltmeister erklärt.
Walter führt Anatoly und Florence in ein Konsulat. Anatoly möchte überlaufen. Die Beamten sind wenig begeistert ([21] Botschaftslamento). Frau und Kind werden in der UdSSR zurückbleiben. Florence zweifelt und fragt sich: »[22] Hab ich eine Wahl?« Die Presse befragt Anatoly aggressiv zu seiner Flucht ([23] Anatoly und die Presse).
Er erklärt die Liebe zu seiner Heimat, die jedoch keine Liebe zum Staat und dem politischen System ist ([24] Hymne).
Ein Jahr später in Bangkok: Die nächste Weltmeisterschaft steht an, und auch Trumper ist wieder dabei – diesmal als Kommentator für einen TV-Sender ([25] Tauch ein in Bangkok).
Anatoly sieht Trumper im Fernsehen, es ärgert ihn, dass sein ehemaliger Gegner und Konkurrent um Florence auch da ist ([26] Noch ein Gegner). Florence und Anatoly beschwören ihre Liebe zueinander ([27] Du und ich). Florence meint, der Ausgang des Turniers könnte bereits beschlossen sein.
Molokov und die große russische Delegation im Hotel. Sie haben Anatoly und Florence abgehört. Außer dem neuen Herausforderer Viigand interessiert sich niemand für das Schachspiel. Er ist [28] die russische Maschine und soll der Sowjetunion den Sieg bringen.
Ein Fernsehstudio. Walter und Frederick besprechen [29] das Interview mit Anatoly. Walter möchte ein hartes Interview. Frederick setzt Anatoly mit Fragen über seine Familie unter Druck. Wütend verlässt Anatoly das Studio.
Anatolys Frau Svetlana wurde von Molokov nach Bangkok gebracht. Sie wünscht, sie hätte sich im Leben oft anders entschieden. ([30] In einem andern Leben).
Sie soll Anatoly dazu bringen, absichtlich zu verlieren, doch sie kann ihn nicht überzeugen. Walter sagt Florence, dass ihr Vater noch am Leben sei und aus der Sowjetunion geholt werden kann, wenn Anatoly nur verliert. Trumper kämpft um Florence, doch sie will davon nichts wissen ([31] Der Deal).
Florence und Svetlana versuchen, Anatoly zu verstehen, und fürchten, ihn zu verlieren ([32] Ich kenn’ ihn so gut).
In einer Tempelanlage treffen sich Trumper und Anatoly. Trumper kann nicht ertragen, dass der mittelmäßige Schachspieler Viigand gewinnen soll, und will Anatoly helfen ([33] Lass uns über Schach reden).
[34] Die letzte Partie, die nach einer Reihe von Remis die Entscheidung bringen soll, bevor das Turnier für ungültig erklärt wird. Alle versuchen, das Spiel zu beeinflussen. Gegen alle Bemühungen siegt Anatoly.
Das Spiel ist beendet, Florence und Anatoly bleiben allein zurück. Sie überzeugt ihn, zu seiner Frau zurückzukehren. Sie hofft, dadurch ihren Vater wiederzusehen. Beide lieben sich noch immer, doch sie wissen, dass sie sich trennen müssen ([35] Du und ich (Reprise)). Anatoly geht mit der russischen Delegation.
Walter sagt, dass Florences Vater bald frei sein wird – falls er denn noch lebt ([36] Walter und Florence). Florence ist erschüttert über diese letzte Einschränkung. Alles war nur ein Spiel ([37] Epilog).
Tim Rice hatte, inspiriert von der Schachweltmeisterschaft 1972 zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski, die Idee, eine Geschichte über das Taktieren zwischen Ost und West im damals noch gegenwärtigen Kalten Krieg vor dem Hintergrund eines Schachduelles zwischen den USA und der UdSSR zu erzählen, wobei sich das Taktieren im Spiel und in der Politik zunehmend vermischt. Als zentrale Figuren fungieren nicht die Schachspieler, sondern Florence Vassy, die zuerst Fredericks, später aber Anatolys Geliebte und Managerin ist.
Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Andrew Lloyd Webber bei »Evita« sah Rice dies als Nachfolgeprojekt für das Autorenduo, doch Webber arbeitete bereits an »Cats« und »Starlight Express« und wollte kein weiteres Projekt beginnen. Mit Benny Andersson und Björn Ulvaeus von ABBA fand Rice schließlich die richtigen Partner für dieses Projekt. Gemeinsam produzierten sie zuerst, wie es Rice von »Evita« und »Jesus Christ Superstar« kannte, ein Konzeptalbum.
Viele Elemente in CHESS erinnern sowohl von den Figuren als auch der Erzählstruktur und den Musiken her an »Evita«, aber gleichzeitig steuern Andersson und Ulvaeus zahlreiche Songs bei, die auch außerhalb des Musicals als Popnummern funktionieren. Die bekanntesten sind ohne Zweifel »One Night in Bangkok« und »I Know Him so Well«.
Auch wenn die Idee des Musicals CHESS von der Schachweltmeisterschaft 1972 inspiriert und die Rolle Frederick Trumper an Bobby Fischer angelehnt ist, so ist die Geschichte im Musical doch weitgehend fiktiv.
1972 kommt es in der isländischen Hauptstadt Reykjavík zum Duell des Jahrhunderts: Der Amerikaner Bobby Fischer fordert den russischen Schachweltmeister Boris Spasski heraus. Das Turnier wird geprägt von den Forderungen und dem unberechenbaren Verhalten Fischers: Schon lange vorher vermutet Fischer eine Verschwörung gegen ihn, spricht öffentlich von angeblichen Abhöraktionen und Verfolgern und vermutet sogar, sein Flugzeug könne von den Russen gesprengt werden. Es kommt zum Streit um die Preisgelder, die schließlich deutlich erhöht werden, zuerst auf 150.000 Dollar und später auf 275.000 Dollar. Bei der Eröffnungsfeier am 1. Juli im Nationaltheater von Reykjavík bleibt Fischers Stuhl leer. Erst ein Anruf von Präsident Nixons Sicherheitsberater Henry Kissinger kann Fischer zum Einlenken bewegen, und am 11. Juli kann die Begegnung endlich beginnen.
Die erste Partie verliert Fischer und zur zweiten tritt er gar nicht erst an, da er sich von den Fernsehkameras und dem Publikum gestört fühlt. Die dritte Partie findet daher in einem ruhigen Nebenzimmer statt. Nach dem grandiosen Sieg Fischers in der sechsten Begegnung flaut das Turnier in der zweiten Hälfte deutlich ab, und die meisten Partien enden mit Remis. Nach 20 von 21 Partien benötigt der Herausforderer noch einen Punkt zum Sieg. Die letzte Begegnung wird als Hängepartie unterbrochen, doch Spasski erscheint am nächsten Tag nicht mehr und teilt telefonisch seine Aufgabe mit. Fischer ist der erste amerikanische Schachweltmeister.
Schon als Kind galt Fischer als ein Schachgenie. Am 17. Oktober 1956 besiegte er im Alter von 13 Jahren den Internationalen Meister Donald Byrne in der 8. Runde des Rosenwald-Memorial-Turniers in New York. Seine Familie erkannte schon früh die psychischen Probleme des Jungen, und schon in den zehn Jahren vor der Weltmeisterschaft entwickelte Fischer eine Mischung aus Verfolgungswahn und verschwörungstheoretischem Weltbild. Er reagiert zunehmend empfindlich auf alle Reize und hat häufig unkontrollierte emotionale Ausbrüche, jedoch gibt es zu keinem Zeitpunkt eine psychologische Untersuchung oder Betreuung.
Nachdem er Weltmeister ist, akzeptiert Fischer die Regeln des Weltschachverbands FIDE für das nächste Turnier nicht und veröffentlicht 1974 einen 179 Punkte umfassenden Forderungskatalog. Im April 1975 wird Fischer daher der Weltmeistertitel aberkannt. Der Herausforderer Anatoli Karpow, gegen den er niemals eine Partie gespielt hatte, wird als neuer Weltmeister ausgerufen. Fischer betrachtete sich weiterhin als Schachweltmeister, da ihn niemand in einem Weltmeisterschaftskampf geschlagen habe.
1992 kommt es zu einem erneuten Turnier mit Spasski, diesmal in Belgrad. Fischer gewinnt und erhält 3 Millionen Dollar Preisgeld. Schon vor der Begegnung erklärte die US-Regierung, dass Fischer damit gegen die aufgrund des Jugoslawienkrieges verhängten Wirtschaftssanktionen des UN-Sicherheitsrats verstoße. Fischer kehrt nie in die USA zurück.
Zeitweise lebt er in Ungarn und auf den Philippinen und macht vor allem durch antisemitische und antiisraelische Äußerungen von sich reden, da er sich als Opfer jüdischer Verschwörungen sieht. Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erklärt er im Radio, er sei glücklich über die Attentate und hoffe auf einen Militärputsch in den USA. Auf Bitten des US-Außenministeriums wird er in Japan verhaftet, da er einen abgelaufenen US-Reisepass benutzt, woraufhin er sich für staatenlos erklärt. Schließlich gewährt ihm die isländische Regierung Asyl und die Staatsbürgerschaft. 2008 stirbt er in Reykjavík.
Was von Fischer der Schachwelt bleibt, ist eine neue Variante: Bei Chess960 gibt es 960 mögliche Startaufstellungen, wodurch die Kreativität des Spielers mehr gefordert ist, der sich nicht auf auswendig gelernte Eröffnungen verlassen kann. 2009 wurde diese Variante in die »Laws of Chess« aufgenommen.
64 Felder, zwei Farben, ein Duell – mehr braucht es nicht, um den Kalten Krieg zu erzählen. Bobby Fischer, Viktor Kortschnoi und ein misstrauisch beäugter Becher Joghurt: Wie CHESS sein Drama aus dem echten Schach-Krieg der 1970er-Jahre leiht.
Weiterlesen →Die meisten Musicals stammen aus einem Roman oder Film – CHESS aus einem Brettspiel und aus einer unwahrscheinlichen Allianz: Tim Rice, der Texter von »Evita«, und zwei Drittel von ABBA. Wie daraus erst ein Welthit-Album und dann eine der politischsten Partituren der Achtziger wurde.
Weiterlesen →Die Volksbank Mittelhessen unterstützt im Rahmen der Aktion »Unser Kultur-Event 2018« unsere Produktion CHESS mit 500€. Der Verein der Ehemaligen Schüler, Freunde und Förderer der Goetheschule Wetzlar e.V. hat stellvertretend für uns an diesem Förderwettbewerb der Volksbank teilgenommen. Hierbei unterstützt die…
Weiterlesen →Nach den Produktionen »Carrie« und »Die Schöne und das Biest« ist heute meine dritte Audition.
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