War der Abwurf der Atombomben notwendig? War er gerechtfertigt? Wurden Millionen weitere Tote verhindert? Sind die Wissenschaftler für die Folgen ihrer Entdeckungen verantwortlich? Wer übernimmt Verantwortung für sein Handeln in der militärischen Hierarchie? Und wer trägt persönliche Schuld?
Die Entwicklung der Atombombe war eine nie zuvor dagewesene Anstrengung von Menschen, die der Krieg zusammenbrachte: Amerikas beste Wissenschafter; brillante Forscher, die vor der Naziherrschaft aus Europa flohen; führende Köpfe von Regierung und Militär; eine Armee von Arbeitern, die nicht ahnten, was sie herstellten. Unterschiedlichste Menschen, vereint und angetrieben von der drängenden Notwendigkeit, den Krieg zu gewinnen. Im Kampf gegen die Zeit, die Bürokratie und gegeneinander, mit dem Ziel schneller als Hitler die Waffe zu erhalten, die den Krieg entscheiden würde. Doch nach der Kapitulation Deutschlands verschoben sich die Ziele des Militärs auf Japan und das Projekt war schon zu groß, um es noch zu stoppen.
Mitten in all dem war ein Mann, der seither in der Geschichte vergessen wurde, aber ohne dessen Verstand und Entschlossenheit es die tödlichste aller Waffen vielleicht nie gegeben hätte. Sein Name ist Leó Szilárd. Und dies ist eine Geschichte, von der wir nur dachten, dass wir sie schon kennen.
Foto: Svenja Kugler
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Foto: Michel Honold
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Die Produktion der Goetheschule überzeugt durch eine zeitgenössische Inszenierung mit modernen Theaterelementen, welche die Balance hält zwischen Abstraktion und naturalistischer Darstellung. Besonders hervorzuheben ist das fein ausgearbeitete Zusammenspiel zwischen Szene (Regie: Julian Goletzka und Mark Wiedermann), dem während der Inszenierung bemalten Bühnenbild (Miriam Kreh und Michel Honold) sowie Licht- und Videodesign (Michel Honold und Paul Hermann), welches dem Stück eine spannende visuelle Ebene hinzufügt. [...] Dazu, dass das Publikum der komplexen Handlung gut folgen kann, trägt auch das dezente Sounddesign von Niels Dietrich mit einer exzellenten Sprachverständlichkeit bei. Texteinblendungen und ein klar ausgearbeitetes, historisierendes Kostümbild (Johanna Hofmann) helfen dabei, den zahlreichen Zeitsprüngen der Handlungen zu folgen.
Funktioniert dieses komplexe historische Thema als Musiktheater? Die Antwort kann vorab gegeben werden: »Ja, und das sehr gut!« [...] Am Ende füllen hunderte Namen von Opfern der Atombomben die Tafel, bis im Auslass nahezu kein schwarzer Fleck mehr zu sehen ist. Nicht nur hier setzt die Inszenierung auf Elemente aus dem Dokumentartheater, sondern auch in den zahlreichen Projektionen historischer Filme, die durch ein extremes Breitbildformat verfremdet sind, sowie in Einblendungen historischer Zeitungstitelseiten und Toneinspielungen historischer Radioansprachen. [...] Die Band unter der Leitung von Andreas Gerhard spielt die Musik mit großer Routine und Präzision.
Am Donnerstag feierte das neue Musical »Atomic« (M: P. Foxman, T+B: Danny Ginges, Dt.: Julian Goletzka) seine europäische Erstaufführung an der Goetheschule in Wetzlar. Die Schule ist bekannt für ihre oft anspruchsvolle Programmauswahl, die zeitgemäßen Inszenierungen und oft neue Stücke, die bisher nicht oder kaum in Deutschland zu sehen waren. Auch diesmal gelang eine hervorragende Programmauswahl mit dem australischen Musical, das zuvor schon in den USA gespielt wurde. [...] In jeder Szene ist klar: Hier geht es um alles und Scheitern ist keine Option. Abstrakt und technisch werden Probleme bei einer Massenvernichtungswaffe diskutiert und umso mehr erschüttert es die Zuschauer dann, als im zweiten Akt klar wird, was mit den Menschen in Hiroshima und Nagasaki geschehen wird. Wie Leó Szilárd wird der Zuschauer, der gerade noch mitfieberte beim Wettrennen gegen Nazideutschland eingeholt von den ganz persönlichen Schicksalen der Menschen. [...] Die europäische Erstaufführung von »Atomic« ist rundum gelungen – ein gutes neues Musical und gute bis hervorragende Sänger in einer modernen und schnellen Inszenierung, die auch visuell begeistert. Bei der Premiere gab es zu Recht minutenlangen stehenden Applaus.
Liebe Gäste,
wir heißen Sie herzlich willkommen bei »Atomic – Ein neues Musical«. Das erste reguläre Musical nach unserem Jubiläumskonzert im Februar 2020. Wir können versprechen – verzeihen Sie uns die Formulierung – es wird bombastisch!
Aber ein paar Schritte zurück: Im Januar 2018 hielten wir zum ersten Mal das Buch und die CD von »Atomic« in der Hand. Heute, gut vier Jahre später, ist es endlich so weit, dass wir Sie begrüßen dürfen. (Sie wissen, warum das so lange gedauert hat.) Das stellt eine Schulgruppe, die es gewohnt ist, eine Produktion in einem Schuljahr auf die Bühne zu bringen, vor ganz besondere Herausforderungen: finanzielle Planung, Schüler:innen, die inzwischen in anderen deutschen und europäischen Städten wohnen, Hygienekonzepte, Online-Angebote, insgesamt drei Auditions, der Kampf gegen die kreative Ermüdung – immer mit der Hoffnung, dass es bald weitergehen kann. Insgesamt haben mehr als 100 Personen Arbeit in das Projekt gesteckt. Wir begrüßen also besonders auch diejenigen, die eigentlich heute auf und hinter der Bühne dabei gewesen wären.
Inzwischen hat sich einiges getan in Europa und der Welt. Als wir angefangen haben, war »Atomic« eine Parabel für die Frage, wie weit Wissenschaft gehen darf, und inwiefern die Wissenschaftler:innen moralischen Bedenken unterworfen sein sollten. Prominent war zum Beispiel die Entwicklung um die Gen-Schere (CRISPR/Cas), für die 2020 der Nobelpreis für Chemie vergeben wurde. 2020 hat sich der Abwurf der Atombomben zum 75sten Mal gejährt. In einem Stück, in dem die Hauptakteure fast ausschließlich weiße, privilegierte (immerhin nicht alte) Männer sind, ist es auch interessant, hochaktuell den Begriff der Geschlechterrollen zu beleuchten. Und man muss es nicht aussprechen, aber heute bekommt ein Musical, das sich mit der Entwicklung und dem Abwurf der Atombombe auseinandersetzt, leider eine ganz andere, bedrückende Bedeutung.
Heute Abend sehen Sie ein »Atomic«, das einen langen Prozess der Metamorphose durchgemacht hat. Ich durfte das Stück für diese deutsche, gar europäische Erstaufführung selbst übersetzen. Somit stehen wir ganz in der Tradition unserer Gründer, Peter Marschall und Peter Merck, die schon immer gerne deutsche Erstaufführungen nach Wetzlar gebracht haben. Die Übersetzung sowie die Inszenierung haben wir immer wieder in Nuancen angepasst und verbessert. Aufgrund der Veränderungen in der weltpolitischen Lage haben wir Szenen neu erdacht, ausgiebige Gespräche miteinander geführt und zusammen mit den Darsteller:innen immer wieder unsere eigenen Einschätzungen und moralischen Schlüsse gezogen. Man könnte sagen, wir selbst haben die Reise der Wissenschaftler:innen gespiegelt und vieles herausgefunden über uns, unsere Gesellschaft, über europäische und globale Geschichte und zu guter Letzt über das Stück.
Trotz all der intellektuellen Gedanken und Bedenken ist und bleibt »Atomic« ein wahnsinnig mitreißendes und unterhaltsames Rock-Musical, das die Thematik dennoch umsichtig behandelt. Lassen Sie sich gerne anregen, über die dargestellten Themen und Szenen nachzudenken und mehr erfahren zu wollen. Aber lehnen Sie sich auch zurück und – um ein Bild aus dem Film »Dr. Strangelove« zu zitieren – genießen Sie den Ritt auf der Atombombe, den Leó Szilárd und seine Wissenschaftskollegen durchmachen mussten.
Genießen Sie die Arbeit aller Mitglieder der Musicalgruppe der Goetheschule Wetzlar, heute Abend und nur für Sie. Wir bedanken uns herzlich bei den Autoren Danny Ginges und Philip Foxman, die uns ihr Stück anvertraut haben. Wir konnten in der Zusammenarbeit stets spüren, dass es für sie, wie auch für uns, ein ganz besonderes Stück ist. Und wenn Sie, werte Zuschauer, von diesem Stück auch nur halb so begeistert sind wie wir – dann sind wir stolz und zufrieden.
Julian Goletzka, für das Leitungsteam der Musicalgruppe
Danny Ginges ist bereits als Texter, Creative Group Head und Creative Consultant tätig gewesen. Führende Werbeagenturen wie Saatchi & Saatchi, EURORSCG, JWT und BWM zählten hier zu seinen Auftraggebern, eine lange Liste von Kreativpreisen kann er sein eigen nennen. Er ist nach wie vor in der Werbung tätig, aber die Geschichte des vergessenen Mannes hinter der Atombombe hat ihn verändert.
Philip Foxman begann als Teenager mit dem Komponieren von Musik und hat mit »Supernaut« in Australien (Universal Records) und »Illustrated Man« in Großbritannien (Capital Records) sowie die Alben »West 4th and Charles« mit seiner Band Prime 8 und »Up Antenna« als Solokünstler veröffentlicht. Er komponierte Musik für Independent-Filme, Fernsehsendungen und Werbespots. Vor ATOMIC schrieb und komponierte er bereits das Musical »The Ballad of Holly and Joey«.
ATOMIC erzählt aus Perspektive der beteiligten Wissenschafter die Geschichte hinter den Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki. Im Mittelpunkt steht Leó Szilárd, deutsch-ungarischer Physiker aus einer jüdischen Familie, der am Labor von Einstein in Berlin forschte und nach dem Reichstagsbrand nach England emigriert. Dort entdeckt Szilard die theoretischen Grundlagen der nuklearen Kettenreaktion und meldet mit der Admiralität ein Geheimpatent darauf an, nachdem er das militärische Potenzial erkennt. Als der Krieg in Europa ausbricht, geht er in die USA. Als er hört, dass Niels Bohr in Berlin ähnliche Entdeckungen gemacht hat und Bohr nichts weiter dazu veröffentlicht, fürchtet er, dass im Deutschen Reich an einer Atomwaffe gearbeitet wird. Er schreibt einen Brief an Präsident Roosevelt, der von Albert Einstein unter seinem Namen abgeschickt wird. Damit beginnt das Manhattan-Project an dessen Ende die Atombomben stehen. Als der Krieg in Europa endet und klar ist, dass es keine deutsche Bombe gab, setzt sich Szilard gegen den Einsatz der Waffe ein, doch der Befehl ist eindeutig: Jede Bombe wird genutzt, sobald sie bereit ist. Nach der Vernichtung der beiden japanischen Städte wendet sich Szilard von der Atomphysik ab, die sich aus seiner Sicht unentschuldbar versündigt hat. Er wird einer der wichtigsten Friedensaktivisten und Sprecher der Abrüstungsbewegung der 50er- und 60er-Jahre.
AKT I
Prolog: New York, 1960. Auf dem Gipfel des Kalten Kriegs leben die Menschen in Angst vor dem Ausbruch des dritten Weltkriegs und vor der vollständigen Vernichtung durch Atombomben (Die Atombombe ist da (1960)).
New York, 1954. Die Wissenschaftler Edward Teller, Arthur Compton, J. Robert Oppenheimer und Leona Woods sitzen zusammen und sinnieren über die Konsequenzen des Manhattan Project:
Berlin, 1933, der Reichstagsbrand. Leó Szilárd fühlt sich von der Angst und dem Hass der zunehmend radikalisierten Bevölkerung an seine Zeit in Ungarn erinnert, von wo er ebenfalls vor Antisemitismus fliehen musste. Er überzeugt Trude Weiss, mit ihm nach England zu fliehen (Ein kleines Feuer).
Auf einem Spaziergang in London erzählt Leó Trude begeistert, wie Atomenergie den Menschen helfen könnte (In den Sternen brennt die Kraft). Dabei kommt ihm die zündende Idee, das Atom mit einem Neutron zu spalten. Leó überzeugt Trude, mit ihm nach Amerika zu gehen, um dort Teil der Erforschung der Kernspaltung zu sein (Ein Wagnis).
In New York lernt Leó den Nobelpreisträger Enrico Fermi kennen, mit dem er eine Diskussion über die Kompetenz von Wissenschaftlern führt. Fermi findet, dass sie die Grenzen des Möglichen ausweiten sollten, ohne dabei auf Moral oder Politik Rücksicht zu nehmen, während Leó glaubt, dass sie Verantwortung übernehmen müssen (Nicht über diese Grenze gehen). Teller berichtet von der ersten Spaltung eines Uranatoms in Berlin. Die drei beschließen, das Experiment zu wiederholen und beweisen damit die Möglichkeit einer nuklearen Kettenreaktion (Dunkle Tage). Mit Hilfe seines ehemaligen Professors Albert Einstein schreibt Leó einen Brief an US-Präsident Roosevelt, der zur Initiation des Manhattan Project führt.
Der 8. Dezember 1941. Der Angriff Japans auf Pearl Harbour ist Auslöser für den Kriegseintritt Amerikas. Das verschafft dem Manhattan Project höchste Priorität, es wird nach Chicago verlegt und bekommt von General L. R. Groves einen neuen wissenschaftlichen Leiter, Compton, zugeteilt. Leó bittet Trude, mit ihm zu kommen, doch sie glaubt, dass sie ihn an die Wissenschaft verloren hat, weshalb sie trotz ihrer Liebe zu ihm nicht mitfliegt (Scheinwerferlicht).
Ankunft in Chicago. Die Wissenschaftler werden von Leona empfangen. Sie führt sie in eine angeschlossene Bar, wo die Wissenschaftler gerne ausspannen und die unweigerlich aufkeimenden Sorgen in Alkohol ertränken (Atom Smasher). Die militärische Bürokratie und die Klassifikation des Projekts als »Top-Secret« legt den Wissenschaftlern oft Steine in den Weg. Leó schreibt deshalb erneut einen Brief an den Präsidenten, was zu seinem Ausschluss aus dem Manhattan Project führt. Er wird durch Oppenheimer ersetzt. Leó ist verzweifelt. In der Bar trifft er auf den Piloten Paul Tibbets, der ihn mit seiner patriotischen Haltung davon überzeugt, nicht aufzugeben (Stars and Stripes).
Zurück in New York. Leó und Trude erfahren von den Konzentrationslagern und dem Massenmord in Deutschland. Sie machen sich Sorgen um ihre Freunde und trauern um die alten Zeiten (Sind sie fort?). Als Leó einen Brief von Teller bekommt, in dem dieser berichtet, dass Deutschland nah an der Fertigstellung der Atombombe sei, entscheidet er, zurück nach Chicago zu fahren. Er überlässt die Patente seiner Erfindungen der amerikanischen Regierung, um von Compton wieder eingestellt zu werden. Kurz darauf kapituliert Deutschland, was den Bau der Atombombe in Leós Augen überflüssig macht. Trotzdem führen die anderen Wissenschaftler einen kaum geheim zu haltenden Test durch und ignorieren dabei Leós Warnungen vor einem Aufrüstungswettrennen mit Russland. Leó bereut zum ersten Mal seine Idee und hofft, dass es nicht zu spät ist, seinen Fehler wiedergutzumachen (Der Tag).
Akt II
New York, 1954. Die Wissenschaftler debattieren über die Verantwortung, die sie dadurch tragen, dass sie als einzige wussten, woran sie arbeiteten.
Oak Ridge, 1944. Anders als die Wissenschaftler wissen Tausende von Arbeitern im Manhattan Project in ganz Amerika nicht, was sie unter höchster Geheimhaltung produzieren (Löcher für die Donuts).
New York, 1945. Leó macht sich Vorwürfe, weil er sich immer noch als Hauptverantwortlichen für die Entwicklung der Bombe sieht, die das Militär jetzt gegen Japan einsetzen will, obwohl dessen Kapitulation ohnehin nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint. Er beschließt, eine Petition an den neuen Präsidenten Truman zu verfassen, in der er sich gegen den Einsatz der Bombe ausspricht, und beginnt, die Unterschriften seiner Kollegen zu sammeln (Ein größerer Krieg). Er erfährt schließlich von Compton, dass Groves Truman erzählt habe, die Bombe sei nur gebaut worden, um sie auf Japan zu werfen. Compton unterschreibt nicht, weil er glaubt, der Einsatz der Bombe könne viele Leben amerikanischer Soldaten retten und dass es in diesem Fall kein richtig und falsch, sondern nur Graustufen gibt (Das was bleibt ist Grau). Leó will trotzdem versuchen, den Abwurf zu verhindern und entwickelt mit Fermi die Idee, die Japaner vor der Bombe zu warnen und eine leere Stadt zu zerbomben (Ein größerer Krieg – Reprise).
Die anderen Wissenschaftler haben sich jedoch längst für einen Abwurf ausgesprochen und seine Argumente entkräftet. Leó sieht ein, dass er den Einsatz der Bombe nicht mehr aufhalten kann (Die Atombombe ist da (1945)). Er ertränkt seine Verzweiflung in einer Bar, wo ihn Trude zur Rede stellt, weil sie durch Zufall von seiner Krebserkrankung erfahren hat. Leó will sich jedoch nicht behandeln lassen, weil die bekannten Behandlungsmethoden selten erfolgreich sind. Er will stattdessen versuchen, seinen Krebs mit Strahlung zu behandeln, und bittet Trude als Ärztin um Hilfe. Sie sorgt sich jedoch zu sehr um ihn und verlässt aufgelöst die Bar (In den Sternen brennt die Kraft – Reprise). Paul kommt hinzu. Er ist überzeugt, dass der Abwurf der Atombombe das richtige ist. Er ist der Pilot, der die Bombe abwerfen wird.
Über Hiroshima: Paul redet sich ein, dass die Menschen, die sterben werden, ein notwendiges Opfer seien, um den Krieg zu beenden. Parallel dazu wird Leó immer kränker und Trude sorgt sich, dass auch er sterben könnte (Nur Zahlen).
Die Atombombe explodiert über Hiroshima.
New York, 1954. Leó und Trude stoßen zu den Wissenschaftlern. Sie hängen weiter ihren Erinnerungen und Konflikten nach, aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint. Sie haben alle eine Art Frieden mit den Entwicklungen gemacht, oder reden sich dies zumindest ein, um nachts schlafen zu können (Was ich mir erzähl’).
Epilog: New York, 1960. Leó hat sich von der Atomphysik abgewandt und arbeitet nun in der Mikrobiologie. Er bekommt eine Forschungsstelle am neuen Salk Institute for Biological Studies angeboten, zu der Trude ihn gern begleitet (Finale).
Leó Szilárd studierte in Budapest und Berlin und meldete zahlreiche Patente an. Im Exil in England hatte er die bahnbrechende Idee einer nuklearen Kettenreaktion. Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs emigrierte er in die USA und legte mit einem durch Albert Einstein unterzeichneten Brief an den Präsidenten die Grundlage für das Manhattan Project und damit den Bau der ersten Atombombe. Gemeinsam mit Enrico Fermi baute er den ersten Atomreaktor. Seine Patentrechte an der Atomenergie musste Szilárd 1943 auf Druck der US-Regierung an diese verkaufen.
1945 organisierte Szilárd eine Petition an den Präsidenten gegen den Einsatz der Atombombe, welche diesen aber nie erreichte. Den späteren Einsatz der Atombombe gegen Hiroshima und Nagasaki verurteilte Szilárd scharf.
Nach dem Krieg wandte sich Szilárd von der Atomphysik ab und wechselte zur Molekularbiologie. Er entwickelte eine der ersten Strahlentherapien gegen Krebs.
In zahlreichen Vorträgen und Schriften kritisierte Szilárd das nukleare Wettrüsten und setzte sich für weltweite Abrüstung ein. 1960 wurde ihm hierfür der Atoms for Peace Award verliehen.
Szilárd galt bei seinen Zeitgenossen als schwierig und exzentrisch. Er führte nie einen eigenen Haushalt und lebte ab seiner Ankunft in Berlin praktisch nur in Hotelzimmern sowie bei Freunden und Kollegen. Romantische Beziehungen lagen ihm fern. Er verstarb 1964 in Kalifornien.
Trude Weiss wurde 1909 in Wien als Tochter des jüdischen Physikers Arthur Weiss geboren. Sie studierte zunächst in Wien und später in Berlin Physik, Mathematik und Biologie, während sie als Sekretärin und Übersetzerin unter anderem für Leó Szilárd arbeitete. Szilárd überzeugte Weiss davon, zurück nach Wien zu gehen und dort Medizin zu studieren, was sie 1936 auch abschloss. Szilárd drängte Weiss und ihre Familie dazu, erst nach England und schließlich in die USA zu emigrieren. Weiss arbeitete zunächst in London und anschließend in New York in mehreren Krankenhäusern, um den praktischen Teil ihrer Ausbildung zur Ärztin abzuschließen. Über diese ganze Zeit hinweg blieben Weiss und Szilárd über Briefe, Anrufe und Besuche in Kontakt. Weiss verwaltete und verwahrte auch Szilárds Dokumente und Unterlagen, da er keinen festen Wohnsitz hatte.
1950 trat Weiss eine Assistenzprofessur für Vorbeugende Medizin an der University of Colorado an. Leó Szilárd lebte in dieser Zeit regelmäßig bei ihr. Da dies als unschicklich galt, drohte Weiss ihre Stelle zu verlieren, was die beiden dadurch abwendeten, dass sie heirateten. 1951 wurde Weiss als Ärztin zugelassen und 1954 erhielt sie eine Professur für Medizin.
Die Hochzeit änderte nichts am Verhältnis von Szilárd und Weiss und beide lebten auch in den folgenden Jahren überwiegend in unterschiedlichen Städten und verfolgten ihre eigenen Karrieren. Erst 1964, als es Szilárd gesundheitlich erheblich schlechter ging, zog Weiss zu ihm nach Kalifornien. Weiss nutzte bis zu Szilárds Tod später in diesem Jahr den Doppelnamen Weiss-Szilárd nicht.
Nach Szilárds Tod blieb Weiss in Kalifornien, arbeitete für verschiedene Universitäten und veröffentlichte ab 1968 mehrere Bücher mit den Schriften von Leó Szilárd. Sie starb 1981 in San Diego.
Aus dramaturgischen Gründen ist die Beziehung zwischen Leó und Trude im Musical anders angelegt als in Wirklichkeit. Tatsächlich waren die beiden wohl nie in einer klassischen Partnerschaft.
Edward Teller war ein ungarisch-amerikanischer Physiker und wurde vor allem als »Vater der Wasserstoffbombe« bekannt. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen sprach sich Teller für den Einsatz der Atombombe aus. Im Jahre 1945 bereute er es jedoch, sich nicht stärker gegen den Abwurf eingesetzt zu haben. Nach dem Krieg belastete Teller in Verhören zur Sicherheitseinstufung J. Robert Oppenheimer als unzuverlässig. Dadurch verlor er stark an Ansehen, dennoch wurde er weiterhin von der US-Regierung und dem Militär unterstützt.
Enrico Fermi begann bereits im Alter von 17 Jahren sein Physikstudium in Italien. Ab 1934 gelangen ihm bahnbrechende Entdeckungen in der Experimentalphysik, für welche er 1938 den Nobelpreis erhielt. Im selben Jahr emigrierte er wegen des zunehmenden Antisemitismus in die USA. Dort gelang ihm erstmals eine kritische Kernspaltungs-Kettenreaktion. Grundlage hierfür war die theoretische Vorarbeit von Leó Szilárd. Als Berater von J. Robert Oppenheimer spielte Fermi eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und dem Bau der ersten Atombomben. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Fermi nach Chicago zurück, wo er Mitbegründer des »Institute for Nuclear Studies« wurde, das später seinen Namen tragen sollte.
Den Bau der Wasserstoffbombe lehnte Fermi aus moralischen Gründen entschieden ab. 1954 erlag er einem Krebsleiden.
Arthur Holly Compton war durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Quantentheorie maßgeblich an der Entwicklung der Atombombe beteiligt. Sein Mitwirken am Manhattan Project belastete ihn schwer. Zusammen mit 18 anderen Nobelpreisträgern unterschrieb Arthur Compton im Jahre 1955 die Mainauer Erklärung, die gegen den Einsatz von Atomwaffen aufruft.
Leona Harriet Woods war eine US-amerikanische Physikerin. Sie war die einzige weibliche Wissenschaftlerin, welche am Bau des ersten Kernreaktors in Chicago unter Enrico Fermi beteiligt war. Mit Fermis Team wechselte sie ins Manhattan-Projekt und arbeitete dort im Reaktor-Team. Nach dem Krieg rechtfertigte sie den Abwurf der Atombomben als die richtige Entscheidung und Amerikas einzige Option, um den Krieg zu beenden. Sie arbeitete an mehreren Instituten und veröffentlichte über 200 Studien. Woods starb als Leona Marshall Libby 1986 in Kalifornien.
Julius Robert Oppenheimer studierte zunächst Chemie an der Harvard-Universität und forschte in den 1920ern u.a. in Göttingen. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften zur Quantenmechanik. General Groves ernannte ihn 1942 zum wissenschaftlichen Leiter des Manhattan Project. Nachdem Oppenheimer die Auswirkungen der Atombombe in den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki gesehen hatte, verurteilte er den weiteren Einsatz dieser Waffe. Nachdem er sich zudem gegen den Bau einer Wasserstoffbombe stellte, wurde er seines Amtes enthoben. Nach dem Krieg arbeitete Robert Oppenheimer als Berater der neu gegründeten US-amerikanischen Atomenergiebehörde. Er setzte sich für eine internationale Kontrolle der Kernenergie und gegen ein nukleares Wettrüsten ein. 1967 verstarb er an Kehlkopfkrebs.
Paul Tibbets Jr. war Pilot der US Air Force und wurde bekannt durch den ersten Einsatz einer Atombombe gegen die japanische Stadt Hiroshima. Er blieb bis ins Jahr 1966 bei den Luftstreitkräften. Später arbeitete er als Pilot für private Unternehmen.
Tibbets rechtfertigte sein Leben lang den Einsatz der Atombomben und sprach sich für den Einsatz von Atomwaffen gegen die Feinde der USA aus.
General Leslie Groves tat sich im US-Militär als Leiter des Baus des Pentagon hervor und wurde daraufhin zum Leiter des Manhattan Project ernannt. Für dieses Vorhaben verantwortete er die damals unvorstellbare Summe in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar und beschäftigte 125.000 Mitarbeiter. Groves war an jeder wichtigen Entscheidung bezüglich der Atombombe beteiligt, einschließlich deren Einsatz. 1948 schied Groves aus der US-Army aus und wechselte in die Privatwirtschaft. In seinem Ruhestand veröffentlichte er 1962 unter dem Titel »Now It Can Be Told« eine Monographie über das Manhattan Project. Groves war überzeugt, dass es richtig und notwendig war, die Atombomben zu bauen und einzusetzen, um den Krieg zu beenden.
Am 6. und 9. August 1945 warfen die USA über den japanischen Großstädten Hiroshima und Nagasaki zwei Atombomben ab. Bis heute leiden Menschen unter den Folgen des Kernwaffeneinsatzes.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg Japan zur Großmacht im ostasiatischen Raum auf und betrieb eine aggressive Expansionsstrategie. Nationalistische Kräfte gewannen zunehmend an Einfluss. Mit dem Deutschen Reich schloss Japan im November 1936 den »Antikominternpakt«, weitere Staaten traten in den Folgejahren bei. Ende 1937 begann der Zweite Chinesisch-Japanische Krieg, in dessen Folge Japan Ostchina besetzte. Beim Massaker von Nanking wurden bis zu 200.000 Zivilist:innen getötet. Japan beanspruchte die Vormachtstellung in Asien.
Als Wendepunkt im japanischen Großmachtstreben gilt der Angriff auf den US-amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii am 7. Dezember 1941, der dazu führte, dass die USA in den Zweiten Weltkrieg eintraten. In den folgenden Jahren wurde die japanische Einflusssphäre im Pazifik zurückgedrängt. Im März und im Juni 1945 fielen die Verteidigungsstellungen Iwojima und Okinawa, die bereits zum japanischen Staatsgebiet gehörten. Dennoch war nicht abzusehen, dass das Kaiserreich kapitulieren würde.
Am 16. Juli 1945, während der Potsdamer Konferenz, schlossen die USA den Test der ersten Kernwaffenexplosion weltweit – der »Trinity«-Bombe – erfolgreich ab. Am 24. Juli befahl US-Präsident Harry S. Truman, die Atombombe über Japan einzusetzen, je nach Wetterlage über einer der Städte Hiroshima, Kokura, Niigata oder Nagasaki. Am gleichen Tag soll Truman auf der Potsdamer Konferenz den sowjetischen Führer Josef Stalin über die Existenz einer »neuen Waffe spezieller zerstörerischer Stärke« informiert haben. Laut Berichten der sowjetischen Delegation wusste Stalin bereits von dem erfolgreichen Test einer amerikanischen Atombombe und befahl, die Entwicklung einer sowjetischen Atombombe zu intensivieren. Dieser Zeitpunkt gilt daher auch als Beginn des atomaren Rüstungswettlaufs.
Die Stadt Hiroshima war aufgrund ihrer industriellen und militärischen Anlagen das erste Angriffsziel. Die Bombe wurde am 6. August 1945 um 8:15 Uhr Ortszeit abgeworfen. In der Stadt mit damals rund 300.000 Einwohner:innen wurden schätzungsweise 120.000 Menschen sofort getötet oder erlagen in den folgenden Monaten ihren Verletzungen. Etwa 90 Prozent der Häuser wurden zerstört oder stark beschädigt.
Da die japanische Regierung auch nach dem Bombenabwurf auf Hiroshima nicht bedingungslos kapitulierte, entschied sich die US-Regierung für den Abwurf einer zweiten Bombe. Zunächst war die Hafenstadt Kokura als Einsatzort vorgesehen. Aufgrund der starken Bewölkung dort wurde stattdessen das etwas mehr als 100 Kilometer entfernte Nagasaki angeflogen. Hier starben etwa 80.000 Menschen.
Die Opferzahlen beider Bombenabwürfe sind bis heute umstritten. Nicht von allen Menschen wurden die sterblichen Überreste in den Detonationszentren der Bomben gefunden und auch viele Aufzeichnungen, wer in der Stadt lebte, wurden bei den Angriffen vernichtet. Zudem starben Zehntausende in den darauffolgenden Monaten und Jahren an den Folgen des Angriffs.
Am 15. August wandte sich der japanische Kaiser an die Öffentlichkeit und sagte, dass Japan nun »das Unvermeidbare erdulden« und den Kampf beenden müsse. Die bedingungslose Kapitulation am 2. September gilt als Ende des Zweiten Weltkriegs.
Hunderttausende Überlebende der beiden Atombombenabwürfe von 1945 hatten mit schweren Folgen zu kämpfen. Dazu gehören Krankheiten, die direkt durch die Strahlung ausgelöst wurden oder Verbrennungen, aber auch Spätfolgen – wie zum Beispiel Krebserkrankungen und Missbildungen bei Kindern. In Japan werden die Überlebenden »Hibakusha« genannt. Sie haben, sofern sie als Opfer anerkannt werden, Anspruch auf kostenlose ärztliche Behandlung.
In den ersten zehn Jahren nach den Angriffen stieg unter den Hibakusha die Zahl der Leukämie-Erkrankungen an. Später traten vermehrt Fälle von Schilddrüsen-, Brust-, Lungen- und Blasenkrebs auf. Inwiefern die Strahlung Einfluss auf nachkommende Generationen hat, wird noch immer untersucht.
Der ATOMIC-Autor Danny Ginges besuchte mit seiner Familie die ersten drei Vorstellungen von ATOMIC in der Goetheschule. Da es sich um die erste Produktion des Werks in Europa und die erste Aufführung in einer anderen Sprache als Englisch handelt, hatte er die weite Reise aus Sydney nach Wetzlar gemacht.
Weiterlesen →Am Tag der Aufführung sprach die Musicalgruppe mit ATOMIC-Autor Danny Ginges, der eigens aus Australien angereist war – über den vergessenen Physiker Leó Szilárd, Songtexte auf Led-Zeppelin-Melodien und warum sein Musical bewusst keine Guten und Bösen kennt.
Weiterlesen →Endlich geht es wieder los! Wir spielen »Atomic« im Juli 2022 in der neuen Goetheschule. Tickets sind jetzt im Vorverkauf – wer schon Tickets hat, kann diese jetzt austauschen.
Weiterlesen →Auch wenn jetzt noch niemand sagen kann, wie es im kommenden Sommer mit Veranstaltungen und Aufführungen aussieht, setzen wir die Vorbereitungen von »Atomic« fort und planen mit Aufführungen im Juni und Juli 2021.
Weiterlesen →2020 bringen wir das australische Rockmusical »Atomic« von Danny Ginges und Philip Foxmann erstmals in Europa auf die Bühne. Das Musical erzählt aus Perspektive der beteiligten Wissenschaftler die Geschichte hinter den Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und…
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