Das Drama “Frühlings Erwachen”

„Spring Awakening“ von Steven Sater (Buch und Texte) und Duncan Sheik (Musik) basiert auf dem Theaterstück „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind, das Anfang des 20. Jahrhunderts uraufgeführt wurde. Es erzählt von Jugendlichen, unter anderem Wendla, Melchior und Moritz, die in einer prüden Gesellschaft selbst herausfinden müssen, was es heißt erwachsen zu werden, mit ihrer Sexualität umzugehen und für ihre eigenen Überzeugungen einzutreten. Dabei droht jedoch auch ständig die Gefahr, sich selbst zu verlieren und am Widerstand gegen die Konventionen zu zerbrechen.

Obwohl „Frühlings Erwachen“ bereits 1891 von Wedekind selbst auf eigene Kosten veröffentlich wurde, kam es erst 1906 zur Uraufführung, an der Wedekind selbst mitwirkte. Wedekind war unter anderem durch seine eigenen Erfahrungen zu seinem Erstlingswerk inspiriert worden.
Das Stück schlug buchstäblich ein und sorgte für großen Wirbel mit seiner Darstellung von Sexualität und Kritik an bestehenden Erziehungsnormen des Kaiserreichs. In Folge dessen wurde es zensiert und verboten. Zu seiner Zeit war „Frühlings Erwachen“ unglaublich fortschrittlich und offensiv. Seine Kritik zeigt sich auch an der starken Überzeichnung der  erwachsenen Charaktere.

Der Titel „Frühlings Erwachen“ lässt sich gleich mehrfach deuten. Zum einen ist es eine Umschreibung der Pubertät und der Sexualität, welche die Jugendlichen auch unter großem gesellschaftlichem Druck gerade entdecken. Zum anderen greift der Titel auf das Ende vor, an dem sich Melchior zuletzt doch für das Leben entscheidet.

Für die Zeit des Kaiserreichs war es nicht üblich, Jugendliche aufzuklären oder ihnen überhaupt einen Lebensabschnitt wie die Pubertät zuzusprechen: Eine Phase der Selbstfindung und des Aufbegehrens. Die Erziehung lag, viel mehr als man es sich heute vorstellen mag, nicht nur bei den Eltern, sondern auch zu einem Großteil bei der Schule. Die Einmischung der Schule in jenen Teil des Lebens, den man heute als „privat“ bezeichnen würde, war normal und erhöhte den Druck auf die Heranwachsenden.

Heute ist „Frühlings Erwachen“ eine verbreitete Schullektüre und manche der Probleme von Wendla, Melchior Moritz und all den anderen sind schwer nachvollziehbar, wenn man sie nicht vor dem historischen Hintergrund betrachtet. Doch eines ist geblieben: Die Probleme des Erwachsenwerdens, sich selbst Findens und zu lernen, seine Persönlichkeit durchzusetzen.

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